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DER ENTLEBUCHER SENNENHUND

Der «Entlebucher» ist der kleinste unter den Schweizer Sennenhunden

Wie es ihr Name erahnen lässt, geht der Ursprung der Sennenhunderassen auf die Sennen und Älpler zurück, welche die Hunde als treue Begleiter, Wächter und Treiber für ihr Vieh nutzten. Den Ursprung der Rasse bilden damit Hunde, die schon jahrhundertelang im Schweizer Alpenraum gehalten wurden und die optimal an die örtlichen Gegebenheiten angepasst waren. Allerdings hatten diese Vorläufer mit den heute bekannten Sennenhunden äusserlich nur wenig Ähnlichkeit; vielmehr gab es eine Menge unterschiedlicher Typen und Zeichnungen. Da sie reine Gebrauchshunde waren, wurde mit diesen «Küherhunden» lange Zeit keine Reinzucht betrieben. Bis ins 19. Jahrhundert wurden sie deshalb auch nicht als eigene Rasse anerkannt.

Verschiedene regionale Förderer setzten sich im späteren 19. Jahrhundert dafür ein, aus den unterschiedlichen Varianten richtige Hunderassen zu züchten und diesen auf nationaler und internationaler Ebene Anerkennung zu verschaffen. Unter diesen Hundefreunden tat sich der Zürcher Geologe und Kynologe Prof. Albert Heim besonders hervor. Der Hundeexperte war massgeblich an der Entdeckung und Definition der einzelnen Rassen beteiligt und wurde rasch zu einem grossen Förderer aller Schweizer Sennenhunde. Es ist zu einem grossen Teil sein Verdienst, dass aus den verschiedenen Küherhunden und Varianten schliesslich die vier heutigen Rassen definiert wurden. Die «Fédération Cynologique Internationale (FCI)», der internationale Hunde-Dachverband, führt die Schweizer Sennenhunde heute in der Sektion 3 unter der Gruppe 2, «Pinscher und Schnauzer, Molossoide und Schweizer Sennenhunde».

Im Jahr 1889 finden sich erste schriftliche Belege zu einem eigentlichen «Entlibucherhund». 1913 wurden an einer Hundeausstellung in Langenthal erstmals vier Hunde dieses Schlags vorgestellt und erregten die Aufmerksamkeit des umtriebigen Kynologen Heim. Die Entlebucher wurden als vierte Sennenhunderasse in das Schweizerische Hundestammbuch (SHSB) eingetragen; im Jahr 1926 wurde schliesslich der Schweizerische Klub für Entlebucher Sennenhunde gegründet. Ein Jahr später wurde der erste Rassenstandard definiert.

Im FCI Standard wird der kleinste Schweizer Sennenhund als «knapp mittelgrosser, kompakt gebauter Hund von leicht gestrecktem Format, dreifarbig wie alle schweizerischen Sennenhunde, sehr beweglich und flink» beschrieben. Ausserdem attestiert man ihm einen aufgeweckten, klugen und freundlichen Gesichtsausdruck. Für den Entlebucher sind im Rassestandard auch die charakteristischen Proportionen angegeben. So sollte etwa das Verhältnis von der Widerristhöhe zur Körperlänge 8:10 betragen. Die Hündinnen werden zwischen 42 und 48 cm gross, die Rüden zwischen 44 und 50 cm. Pro Wurf bringen die Hündinnen rund fünf Welpen zur Welt. Die Zuchtstätten und die Zuchttiere werden von der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) genauestens geprüft, die Jungtiere durch die Züchter geprägt, geimpft und gechippt. Wenn die Welpen mit rund 10  Wochen an die neuen Besitzer abgegeben werden, sind sie ein- bis zweimal durch einen Zuchtwart der SKES inspiziert worden und erhalten eine Abstammungsurkunde. Wie alle reinrassigen Hunde aus einer seriösen Zucht sind auch Entlebucher durch diesen hohen Aufwand nicht ganz günstig in der Anschaffung.

Heute wird der Entlebucher Sennenhund von Liebhabern gezüchtet und erhalten. Die Hunderasse ist vor allem in der Schweiz anzutreffen; Züchter und Entlebucher-Vereine finden sich aber fast weltweit. Der lebhafte und anhängliche Entlebucher ist als Wach-, Schutz- und Familienhund beliebt. Noch immer bewährt er sich in der ihm ursprünglich zugedachten Verwendung als Treib- und Hütehund. Das Wesen des Entlebuchers wird im Rassestandard als «lebhaft, temperamentvoll, selbstsicher und furchtlos» beschrieben, aber auch als «freudig und lernfähig». Gegenüber vertrauten Personen gelten die kleinen Hunde als gutmütig und anhänglich, gegenüber Fremden hingegen als leicht misstrauisch. Auch deshalb ist der Entlebucher ein zuverlässiger und unbestechlicher Wächter. Er hat keinen ausgeprägten Jagdinstinkt und tendiert bei richtiger Prägung auch nicht zum «Löitsche». Er braucht eine liebevolle, klare und konsequente Erziehung, optimal mit Familienanschluss: Ein Entlebucher will gefördert und gefordert werden und auf keinen Fall von seinem «Rudel» weggesperrt sein. Dann ist der kleinste Schweizer Sennenhund ein aufgeweckter und treuer Begleiter.